Der Wahlsieg des konservativen Vicente Fox bei den Präsidentschaftswahlen setzt dem politischen Sonderweg Mexikos ein Ende. Die Transition vom autoritären politischen System zu einer parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts kam mit der historischen Wahlniederlage der seit 71 Jahren übermächtigen "Partei der institutionalisierten Revolution" (PRI) einen wesentlichen Schritt voran. Damit ist in Lateinamerika der Demokratisierungszyklus weitgehend abgeschlossen, der Ende der 70er Jahre mit dem Rückzug der südamerikanischen Militärs in die Kasernen begann und mit Ausnahme Kubas nahezu alle Staaten erfaßte. Während die Demokratisierung in Mexiko mit den Wahlen vom 2. Juli 2000 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, zeichnen sich in Staaten wie Peru oder Ecuador, in denen die Öffnung schon ein bzw. zwei Jahrzehnte früher begonnen hatte, erneut autoritäre Tendenzen ab. Diesen Pendelschlag in Richtung Autoritarismus hatte der Chef der mexikanischen Wahlbehörde IFE José Woldenberg wohl im Hinterkopf, als er seine Landsleute davor warnte, sich mit dem bisher Erreichten zufriedenzugeben: "Die Demokratie ist keine Ankunftshalle" sagte er.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.