Um das Internet ranken sich eine Reihe von teilweise recht weitreichenden ökonomischen und sozialen Verheißungen. Visionen von neuen Formen selbstbestimmter Arbeit in Unternehmen mit ausgesprochen flachen Hierarchien zählen ebenso dazu wie die Vorstellung, daß mit dem Siegeszug des Internet nahezu jedes in seinem Umfeld neugegründete Unternehmen, sei es auch noch so klein, eine reelle ökonomische Chance habe und daß diese neuen Firmen den etablierten Medien-, Handels- und Industriekonzernen der Old Economy den Rang ablaufen könnten. Was ist an allem dran? Steht eine Ablösung der Old Economy durch die - grausend möchte man sich von der Wortschöpfung abwenden - dot.coms bevor? Gibt es Anzeichen für tiefgreifende Restrukturierungen des Unternehmenssektors im Zuge der ökonomischen Aneignung des Internet? Die Euphorie rund ums Internet wurde bis zum Frühjahr 2000 maßgeblich von drei Entwicklungen gespeist: Erstens ist der kommerzielle Höhenflug des Netzes in der Tat von neugegründeten Firmen getragen worden. Die etablierten Medien-, Handels- und Industriekonzerne hatten die ökonomischen Möglichkeiten und Perspektiven des Internet, des E-commerce und des E-business, also des Internet-Einzelhandels und des Internet-Handels zwischen Unternehmen, zunächst nicht im Blick und unterschätzt.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.