Ausgabe März 2001

Antipolitik und Moralin

Der falsche Friede des George W. Bush

Auch Amerikaner stehen, anders als es vielen im Ausland erscheint, im Bann ihrer Geschichte. Wie anders soll man die anhaltende politische Sonderrolle jener Staaten erklären, die bis zur Niederlage im Bürgerkrieg die Konföderation bildeten? Staaten, in denen die Aufhebung der Rassentrennung noch hundert Jahre danach von der Bundesregierung zwangsweise durchgesetzt werden mußte. Die unter allen ethnischen Gruppen verbreitete Überzeugung, das Leben in "den Staaten" sei der Existenz in anderen Ländern, aus denen die meisten Amerikaner ursprünglich stammen, unermeßlich überlegen, entspringt gleichfalls dem historischen Gedächtnis. Ebenso prägt die Erinnerung an den Triumph im Kalten Krieg den Glauben unserer Elite, die Vereinigten Staaten hätten die Pflicht und das Recht, die Welt zu führen - ein Glaube, den die Öffentlichkeit teilt, wenn auch vielleicht in weniger schwülstiger Form. Als Zeitenwende - Novus ordo seclorum - feiert das Staatssiegel (und jeder One-Dollar-Schein) das Jahr 1776.

Dieser Gründungsmythos der Nation formt das Gedächtnis, ja er vermischt sich mit diesem, um im öffentlichen Leben Amerikas den Unterschied zwischen Mythos und Erinnerung zu verwischen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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