Die Sehnsucht nach einem einfachen und damit transparenten Steuersystem hat eine lange Tradition. Bereits die Physiokraten um François Quesnay plädierten für eine einzige Steuer. Die von ihnen vorgeschlagene impôt unique war tatsächlich einfach, denn der Boden galt als einzige Wertschöpfungsquelle. Also hatten die Grundbesitzer (die classe propriétaire) diese Steuer aufzubringen. Allerdings musste der Versuch, diese impôt unique im Herzogtum Baden einzuführen, im aufkommenden Industriezeitalter scheitern. Da war Adam Smith mit seiner Kampftheorie gegen den Feudalismus realistischer, die er in seinem Klassiker „Wealth of Nations“ (1776) entwickelte, in dem er die Vorzüge, aber auch Grenzen der kapitalistischen Wirtschaftsweise beschrieb. Wenn es schon verschiedene Steuern, die an unterschiedlichen Vorgängen der Wirtschaft ansetzen, geben muss, so sollten wenigstens vier Grundsätze bei der Besteuerung Anwendung finden: Gleichmäßigkeit (Gerechtigkeit bei der Steuerlastverteilung), Bestimmtheit (klare und nachvollziehbare Tatbestände der Besteuerung), Billigkeit (ausreichende Ergiebigkeit gegenüber den Kosten der Erhebung) und Bequemlichkeit. Heute wird die Diskussion um die eine Steuer bzw.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.