Ausgabe März 2002

Scharons Spiegelbilder

Das Jahr Scharons war für Israel das gewalttätigste seit zwei Jahrzehnten und das sinnloseste seiner ganzen Geschichte. Der moralische Rückstoß der Politik dieses Premierministers hat das Gefüge der innerisraelischen Solidarität bersten lassen. Bis Anfang Februar hielten manche dies noch für ein vorübergehendes Phänomen, aber mittlerweile ist Scharons Rückhalt in der Öffentlichkeit unter die Fünfzigprozentmarke gefallen. Sein erstes Amtsjahr brachte weder Frieden noch die versprochene Wiederkehr der Sicherheit. Reservisten der Armee, die meisten aus Elitekampftruppen, haben angekündigt, sie würden den Besatzungsdienst in den seit 1967 okkupierten Palästinensergebieten nicht wieder aufnehmen. Diesen Dienst charakterisieren sie als "Beherrschung, Vertreibung, Aushungerung und Erniedrigung eines ganzen Volkes".

Eine Kommission der nationalen Anwältevereinigung Israels hat die Regierungspraxis der "Eliminierung" führender Palästinenser, die man der Verwicklung in Terrorakte verdächtigt, scharf verurteilt. Sie spricht von illegaler Verhängung der Todesstrafe ohne Gerichtsverfahren. Die Kommission warnte die beteiligten Beamten und Soldaten, sie riskierten es, außerhalb Israels als Kriegsverbrecher verfolgt zu werden.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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