Gerhard Schröder trifft Martin Walser. Die Themen: "Über ein Geschichtsgefühl" (Martin Walser) zu "Nation. Patriotismus. Demokratische Kultur" (Gerhard Schröder). Das Datum: der 8. Mai. Ort: Willy-Brandt-Haus. Welch ein Paukenschlag! Was nur hat die SPD geritten, sich ausgerechnet am Tag der Kapitulation mit dem Provokateur der Paulskirche, dem Verfechter deutscher Innerlichkeit, dem Romantiker vom Bodensee zu schmücken? Aber, diese Veranstaltung war nicht ohne Vorlauf. Sie steht im Kontext einer kulturpolitischen Offensive der Sozialdemokraten. Schon seit geraumer Zeit hat eine neue Leitkultur Einzug gehalten in die Berliner Republik: die Kultur des Vorlesens. Gemeint sind jedoch nicht jene berlintypischen Vorlesebühnen mit so skurrilen Namen wie "Allee der Kosmonauten" oder "Reformbühne Heim und Welt". Ebenso wenig geht es um die ehrwürdigen literarischen Salons von Britta Gansebohm bis Nicolaus Sombart. Hier ist vom Vorlesen als Staatssache die Rede. Der Kanzler lässt lesen. Und das nicht zu knapp. Am liebsten in der Sky-Lobby des neuen Kanzleramts. Zuerst machten ihm Günter Grass und Christa Wolf die Aufwartung; es folgten die 68er Peter Schneider und Hans Christoph Buch.
Das taktische Arsenal der AfD ist um eine feine Variante reicher«, jubilierte am 5. Februar 2020 AfD-Vordenker Götz Kubitschek, nachdem kurz zuvor der Thüringer Landtag im dritten Wahlgang »versehentlich« FDP-Landeschef Thomas Kemmerich zum neuen Ministerpräsidenten gewählt hatte.