"So ist die FDP unwählbar", tönt es derzeit allüberall aus dem liberalen Blätterwald. Vom Berliner "Tagesspiegel" bis zur Hamburger "Zeit" offenbaren sich gutmeinende liberale Medienmacher, "warum ich die Möllemann-FDP nicht mehr wählen kann" (Robert Leicht). Einstimmig der Aufschrei der Empörung gegen den "Aufstand der Unanständigen" (Gunter Hofmann). Die Jusos setzen noch Einen drauf und fordern die verbindliche Absage einer Koalition mit den Blau-Gelben. Kurzum, die Gretchenfrage der Berliner Republik anno 2002 lautet: Wie hältst du's mit der FDP? Man mag es als beruhigend ansehen, dass die medialen Seismographen die Anzeichen eines aufkeimenden Antisemitismus als drohendes "tektonisches Beben" ("Die Zeit") in der Parteienlandschaft festhalten. Aber abgesehen davon, dass bereits vor den letzten Ausfällen des Jürgen W. gute Gründe dafür sprachen, die Möllemann-FDP nicht mehr zu wählen, abgesehen auch davon, dass diejenigen Wählerschichten, die der Schnauzbärtige neuerdings zu erreichen gedenkt, sich von der "Bannbulle" eines Robert Leicht schwerlich werden beeindrucken lassen: Diese Form der aufgeregten medialen Ächtung geht am Problem des europaweit aufkommenden Rechtspopulismus vorbei.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.