Am US-amerikanischen Wesen soll die Welt wohl von nun an genesen. Die Cowboys in Washington haben ein wachsendes Vergnügen daran zuzuschauen, wie nach und nach die ganze Welt ihren Verstand verliert, oder wenigstens der Teil von ihr, der politische Verantwortung tragen sollte. Der UN-Sicherheitsrat, das höchste Entscheidungsgremium über Krieg und Frieden, das sich die Völker geschaffen haben, lauscht beeindruckt so genannten „Beweisen“, die unfähige Geheimdienste, weil sie keine fanden, aus einer studentischen Arbeit abgeschrieben haben, und sorgenvoll fragen sich die bisherigen Verweigerer, auf unflätige Weise verhöhnt vom US-Verteidigungsminister, bis wann sie noch warten können, ehe der Zug endgültig abgefahren ist. Denn jetzt ist die Zeit der opportunistischen Bekehrungen gekommen: Noch kämpfen einige Regierungschefs, viele aber haben bereits das Stadium der Resignation erreicht und sind auf dem besten Wege, sich in „Verbündete“ zu verwandeln, stets gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Und vielleicht ist ja, wenn dieses Heft erscheint, schon Krieg. Der neue Herr der Welt, ein religiöser Fanatiker, der „komplexe Zusammenhänge“ nicht versteht und deshalb nicht zur Kenntnis nimmt, wird umgeben von einer Gruppe, die schon seit Jahren offen den Krieg propagiert.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.