Ausgabe August 2003

Die europäische Gefahr

Ezra Suleiman von der Princeton University, der auch in Paris lehrt und ausgezeichnete Arbeiten über die französische Gesellschaft verfasst hat, deutete kürzlich in einem Zeitungsartikel an, die französische Haltung in Sachen Irak sei eine Kreation Jacques Chiracs und seines Außenministers, einer Laune des Präsidenten entsprungen. Frankreich ist, Suleiman zufolge, "schrecklich vom rechten Weg abgekommen", als es sich "seinem wichtigsten Verbündeten widersetzte", ein aus Washingtoner Sicht ganz einfach "unzulässiger" Akt. Kein Wort darüber, welche Rolle Prinzipien und Werte bei der Kontroverse spielten.

Frankreich findet in den Vereinigten Staaten nur wenige Verteidiger. Die verbreitete Annahme ist, Paris handele ausnahmslos aus unehrenhaften Motiven, während Amerika versuche, Gutes zu tun. Wie Suleiman zeigt, wird selbst in seriösen Kreisen kaum anerkannt, dass der Streit um den Irakkrieg durch unterschiedliche politische Prinzipien und Weltbilder verursacht wurde und dass die Regierungen Frankreichs und Deutschlands in fast ganz Europa die überwältigende Unterstützung der öffentlichen Meinung fanden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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