Ausgabe Oktober 2003

Staatszerfall und Privatisierung von Gewalt

Bürgerkriegsökonomien

Gespenstische Fernsehbilder von jugendlichen Rebellen und Kindersoldaten mit Ray-Ban-Sonnenbrillen und zerfetzten T-Shirts, die aufgeputscht von Drogen und dem Rausch der Macht an Straßensperren ihre automatischen Waffen zur Schau stellen, Berichte über Greueltaten an Zivilisten, Vertreibungen, Massenvergewaltigungen ... Die Nachrichten, die uns in den letzten Monaten aus Liberia und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) erreichten, werfen ein grelles Schlaglicht auf mörderische Kriege, knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle internationaler Medien, deren Schlagzeilen durch die bewaffnete Intervention der USA im Irak dominiert werden. Dabei markiert die kurze Kriegsphase des amerikanisch-britischen Feldzuges gegen die irakische Armee in diesem Frühjahr eine Randerscheinung im Kriegsgeschehen, das seit Jahren von innerstaatlichen Auseinandersetzungen und regionalen Konflikten dominiert wird: Im letzten Jahr waren nur zwei von 29 Kriegen weltweit rein zwischenstaatlicher Art.1 Obwohl innerstaatliche Kriege und Konflikte in schwachen oder zerfallenen Staaten der "Dritten Welt" die meisten Opfer fordern, finden sie außerhalb der Region oft nur dann Erwähnung, wenn sich die internationale Gemeinschaft nach Jahren des Zuschauens doch zu einer Intervention bequemt. Kurz darauf werden sie vergessen, sobald die Korrespondenten-Karawane weiterzieht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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