Im August dieses Jahres zog sich der liberianische Staatspräsident Charles Ghankay Taylor ins nigerianische Exil zurück. Dort wird man ihm nach Aussage des nigerianischen Staatsoberhauptes Olusegun Obasanjo aus humanitären Gründen "politisches Asyl" gewähren, um einen friedlichen Machtwechsel in Liberia zu ermöglichen und den Bürgerkrieg zwischen Taylors Regierungstruppen und den Rebellengruppen der Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD) endlich zu beenden. Eine Verfolgung wegen möglicher völkerstrafrechtlich relevanter Delikte braucht Taylor nicht zu befürchten. Er hatte seinen Rücktritt ausdrücklich von entsprechenden Zusicherungen durch Nigeria abhängig gemacht. Die Chancen Taylors, der Justiz zu entkommen, stehen daher nach dem augenblicklichen Stand der Dinge gut. Vorbilder seiner Art gibt es in Afrika viele. So wurde auch der kürzlich im saudi-arabischen Exil verstorbene ehemalige ugandische Diktator Idi Amin für seine Verbrechen nie zur Verantwortung gezogen. Weitere Beispiele sind dessen nicht weniger grausamer Nachfolger Milton Obote, der in Sambia weilt, Tschads Ex-Diktator Hissène Habré im Senegal oder Äthiopiens Mengistu Haile Mariam, der sich nach Simbabwe zurückgezogen hat.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.