Ausgabe März 2004

Juppés Fall, Chiracs Schwäche

Die Verurteilung des früheren Premierministers Alain Juppé wegen politischer Korruption trifft nicht irgendwen, sondern den Kronprinzen der französischen Rechten. Sie erinnert die politische Klasse des Landes daran, wie schwach die von Jacques Chirac während der letzten 30 Jahre geschaffene Wahlmaschine in Wirklichkeit ist.

Obwohl er sich dreißig Jahre lang unermüdlich nach oben gehangelt hat, bleibt Chirac bis zum heutigen Tage eine Art Zufallspräsident. Jetzt weckt ein anderer "Zufall" tiefe Zweifel an seiner Zukunft, und nicht minder an jener der von ihm geführten politischen Formation.

Juppés Verurteilung fiel unerwartet streng aus: 18 Monate Haft auf Bewährung und ein zehnjähriges Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden. Das ist mehr, als von der Staatsanwaltschaft gefordert, und bei weitem mehr, als die politische Klasse erwartete. Deren Angehörige würden wohl überwiegend jenem Juppé- Anhänger zustimmen, der erklärte, der Ex-Premier "zahlt für alle". Juppé legte Berufung ein.

In der Vergangenheit war schon ein Schatzmeister der Sozialistischen Partei wegen der gleichen Art illegaler Parteifinanzierung verurteilt worden.

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