Ausgabe Februar 2005

Law Lords gegen Blair

Ein wenig bösartig, aber nicht ganz ohne Grund nennen viele Briten ihren Premierminister Tony Blair den Pudel George W. Bushs, weil er dem amerikanischen Präsidenten schon lange in fast allem hinterherläuft. Aber in gewisser Weise ist das ganze Großbritannien der Pudel der USA - man nennt das vornehm und diskret die "special relationship" zum großen amerikanischen Bruder. Das hat und hatte gute Gründe: Amerika ist den Briten in beiden Weltkriegen zu Hilfe gekommen, vor allem im Zweiten, als sie 1940 und 1941 vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion in Europa alleine standen. Das haben die Briten bis heute nicht vergessen. Anfang der 50er Jahre sagte Churchill, als er noch einmal als Premierminister antrat, Großbritannien werde zu Europa immer freundschaftliche Beziehungen haben, sich aber nie in irgendeiner Weise mit ihm vereinigen, denn das Vereinigte Königreich habe schließlich das Commonwealth und die "besonderen Beziehungen zu Amerika". Seitdem folgt Großbritannien den Vereinigten Staaten in fast allem - und man wird das Gefühl nicht los, das geschehe nicht nur aus Dankbarkeit oder dem Wunsch, die Amerikaner zu beeinflussen oder gar zu bremsen, sondern auch, weil Britannien in amerikanischer Gesellschaft noch ein wenig Empire, ein wenig Großmacht spielen möchte.

Nach den New Yorker und Washingtoner Anschlägen des 11.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.