Ausgabe Februar 2006

Stalins nützliche Idioten?

Zur Entstehungsgeschichte der westeuropäischen Nachkriegsverfassungen

„Weder der Herausgeber noch die anderen Verlage sollten von uns verlangen, ein Manuskript zu veröffentlichen, das unseren Gefühlen und unserem Bild von der Geschichte des 20.

„Weder der Herausgeber noch die anderen Verlage sollten von uns verlangen, ein Manuskript zu veröffentlichen, das unseren Gefühlen und unserem Bild von der Geschichte des 20. Jahrhunderts derart widerspricht.“ Mit diesen Worten endet ein Brief von Detlef Felken, Cheflektor des Münchner Beck-Verlages, an die Partnerverlage der europäischen Buchedition „Europa bauen“ und an den Herausgeber der Reihe, den französischen Mediävisten Jacques Le Goff. Das Buch, das C.H.Beck aus einer seit 15 Jahren bestehenden Vertragskooperation ausscheren ließ, heißt in der (bei Laterza) bereits erschienenen italienischen Originalausgabe „La Democrazia. Storia di un’ideologia“ – ein weit ausgreifender, sehr italienischer und, wie der Originaltitel bereits anklingen lässt, wenig auf political correctness bedachter Großessay des italienischen Althistorikers Luciano Canfora. Nicht nur der „Corriere della Sera“ erhob den Vorwurf der Zensur. Er titelte „Canforas Demokratie – für die Deutschen verboten“.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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