Ausgabe Juli 2006

Die Fadenscheinigkeit imperialer Macht

Die Administration des George W. Bush könnte bald herausfinden, dass ihr Antiterrorkrieg schon jetzt das Stadium erreicht, in das der Vietnamkrieg mit der Tet-Offensive von 1968 eintrat – nur diesmal in Zeitlupe. Im Ergebnis dürfte es auf das Gleiche hinauslaufen – die Zerstörung der öffentlichen Zustimmung Amerikas zu diesem Krieg und zur Bush-Regierung.

Die tägliche Gewaltrate wächst stetig weiter an. Jüngst machten schwere Kämpfe in der Provinz Anbar die Verlegung einer gepanzerte Brigade aus den US-Reserven am Golf erforderlich.

Neue Gräueltaten der US-amerikanischen Truppen werden bekannt – diesmal von Marineinfanteristen verübt, die als die zuverlässigsten unter Amerikas Berufssoldaten gelten; offenbar außer Fassung gebracht durch die nicht einzudämmende wechselseitige Gewalt im Irak und den Widerstand gegen die US-geführte Besatzung, der sich als nicht unterdrückbar erweist.

Die neue Regierung des Irak behauptet, die Vereinigten Staaten hätten hinsichtlich der Übergriffe der Marines gelogen, und will die Angelegenheit selbst untersuchen.

In Afghanistan löst ein Verkehrsunfall in Kabul antiamerikanische Unruhen aus.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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