Ausgabe Mai 2007

Russische Nachbarschaftspolitik

In den 90er Jahren vernachlässigte Russland angesichts seiner eigenen wirtschaftlichen Probleme die Beziehung zu den Ländern der „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS). Stattdessen orientierte man sich verstärkt am Westen. Dessen Ansehen ist in der russischen Politik aufgrund anhaltender Enttäuschungen über die schwierige Zusammenarbeit inzwischen jedoch an einem Tiefpunkt angelangt.

Gleichzeitig hat die Russische Föderation in den vergangenen Jahren, insbesondere aufgrund der Energiepreisentwicklung und wachsender politischer Bedeutung, ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Da imperiale Politik jahrhundertelang zu den Charakteristika russischer Politik gehörte, liegt die Vermutung nahe, dass der Kreml nun wieder einen imperialen Einfluss im GUS-Raum anstrebt. Und in der Tat gibt es hierfür, gerade mit Blick auf die Neuausrichtung auf ein russisches Energie-Imperium und die besondere Bedeutung der zentralasiatischen Republiken, zahlreiche Indizien.1 Dennoch hält die These einer neoimperialen Politik Russlands einer genaueren Überprüfung nicht stand. Was wir gegenwärtig tatsächlich erleben, ist die fortgesetzte Erosion der einstigen russischen Dominanz.

Der heutige GUS-Raum besitzt seit jeher eine zentrale Bedeutung für die russische Bevölkerung und Politik. Zum einen wirken die lange gemeinsame Geschichte und die unzähligen persönlichen Kontakte nach.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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