Ausgabe Dezember 2007

Prekäre Laizität: Die Religion der Italiener

Obwohl das postsäkulare Zeitalter auch in Italien längst begonnen hat, ist die Bedeutung der Institution Kirche in der jüngsten Vergangenheit enorm gewachsen, weit mehr als in anderen Ländern Europas. In ihrem Selbstverständnis als moralische Autorität beansprucht die katholische Kirche direkten Einfluss auf die italienische Öffentlichkeit und sogar auf die Legislative – und sie weitet diesen beständig aus.

Dabei reagieren die Kirchenmänner höchst ambivalent auf ihren Erfolg. Einerseits betonen sie immer wieder die Gefahren, die mit einem „Ausschluss Gottes aus dem öffentlichen Leben“ verbunden sind. Hingewiesen wird dabei, nicht zuletzt von Papst Benedikt XVI., auf das tückische wie allumfassende Konzept des „Relativismus“ bzw. „Laizismus“, dem die Absicht zugrunde läge, die Gegner moralisch zu diffamieren und politisch auszuschalten. Andererseits verhehlen die Kleriker nicht ihre Genugtuung über die große öffentliche Aufmerksamkeit, die sie in Italien genießen. Sie sehen darin ein Zeichen der „erneuten Bejahung der christlichen und katholischen Identität im Lande“, so die offizielle Erklärung der italienischen Bischöfe. In diesem Kontext ist es interessant, sowohl die argumentative als auch politische Strategie der Kirche genauer zu beleuchten.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.