Ausgabe September 2008

Der Osten, auf verlorenem Posten

Der konjunkturelle Aufschwung in der Bundesrepublik, der 2006 nach einer Stagnationsphase einsetzte, erreichte im vergangenen Jahr seinen Höhepunkt und flacht seither wieder ab. Seine Triebkräfte waren der Export sowie die inländischen Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten und in Folge auch die Konsumausgaben folgten dem Aufschwung hingegen nicht. Hauptmerkmal dieses Konjunkturzyklus ist eine starke generelle Einkommensdifferenzierung vor allem durch die kräftige Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Diese Besonderheiten des gegenwärtigen Zyklus wirkten sich dreifach negativ auf die Wirtschaftsentwicklung in den neuen Ländern aus: der Aufschwung fiel dort wesentlich schwächer aus als im Westen, die prekäre Beschäftigung war stärker ausgeprägt und der Aufholprozess zum westdeutschen Wirtschaftsniveau stagnierte.

Im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft wuchs die ostdeutsche Industrie 2007 mit 9,7 Prozent zwar schneller als die westdeutsche (6,1 Prozent) und auch die Exporte erhöhten sich mit 14,5 gegen 9 Prozent deutlich stärker. 1 Die Strukturschwäche aber blieb insgesamt erhalten: 2007 erreichte die ostdeutsche Wirtschaft nur 11,3 Prozent der gesamtdeutschen Industrieumsätze und lediglich 8,1 Prozent der Exportumsätze.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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