Ausgabe Dezember 2008

Ein neues Amerika? Bushs außenpolitisches Erbe

Seit Barack Obamas Wahltriumph hat so ziemlich jedes politische Medium des In- und Auslands ein wahres Kompendium gefährlicher „Herausforderungen“ präsentiert, vor denen der neue Präsident angeblich steht. Doch bei näherem Hinsehen erweisen sich diese challenges fast sämtlich als Chancen, als politische Möglichkeiten. Insoweit es sich dabei um Widerstände handelt, geht es zumeist um Bemühungen anderer Länder, die Vereinigten Staaten von der Fortsetzung jener Praktiken abzuhalten, mit denen die Bush-Regierung sie manipulieren oder einschüchtern wollte.

Der Kernbestand der Bush-Politik ist jedoch älter als die jetzt abgewählte Administration. Mehr Geld für Militär und Rüstung, als der Rest der Welt zusammengenommen dafür ausgibt; Unilateralismus; eine feindselige Haltung gegenüber UNO und Völkerrecht; die Befürwortung „präventiver“ Kriege; das Streben nach Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten; permanente Druckausübung auf Russland und eine Einstellung gegenüber China, die man als „bedingte Feindschaft“ bezeichnen könnte; Widerstand gegen alle Bemühungen um eine engere militärische Kooperation innerhalb der EU – auf all dies haben nationalistische und neokonservative Republikaner, gestützt auf die konservativen Denkfabriken Washingtons, seit den 90er Jahren beharrlich hingearbeitet.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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