Ausgabe September 2009

Tutti-Frutti-Wahlkampf

Zum ersten Mal in der Geschichte bundesrepublikanischer Wahlkämpfe stand ein Auto im Zentrum. Nein, kein Opel, der wäre zu inhaltlich gewesen; Ulla Schmidts Dienstwagen war der Gegenstand wochenlanger Mediendebatten. Die Damen und Herren in den Redaktionen hätten sich zwar auch mit dem SPD-Slogan „Weil Gesundheit kein Luxusprodukt werden darf“ auseinandersetzen können. Aber vermutlich sind sie alle privat versichert.

Wer bisher dachte, der CDU-Slogan „Wir haben die Kraft“, dessen Urheberschaft von einem Sportstudio reklamiert wird, sei der Höhepunkt der Sinnentleerung, kannte diesen Satz nicht: „Mit dem Licht von Morgen in der Hand haben wir die Zeichen der Zeit erkannt. Und erreichen unser Ziel mit Herz und mit Verstand“ entstammt dem CDU-Wahlkampfsong und offenbart die ganze „Tiefe“ der Angela Merkel. Doch das Licht von Morgen erblickte leider nicht das Licht der Medienöffentlichkeit. Dort tobte vielmehr die Busenfrage, man war nicht an der Merkelschen Gedankentiefe interessiert, sondern an ihrer Breite, die sie gemeinsam mit Frau Lengsfeld einer hechelnden Öffentlichkeit entgegenhielt. Was kümmert uns die Größe der Gewinne bei der Deutschen Bank, um die Körbchengröße tobte der politische Kampf!

Ein Kampf, in dem die Linkspartei mutig einen Hintern an die Front sandte: Die Kandidatin Halina Wawzyniak will „Mit Arsch in der Hose in den Bundestag“.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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