Ausgabe Mai 1991

Kurdischer Nachkrieg

Der Krieg am persisch-arabischen Golf ist beendet, die Truppen der Alliierten ziehen sich nach der "Befreiung" Kuwaits zurück.

Aber die Waffen schweigen nicht. Der schiitische Aufstand im Süden des Iraks ist blutig niedergeschlagen worden; im Norden des Landes droht zigtausendfacher Mord an der kurdischen Bevölkerung. Und all dies ereignet sich in einer Lage, in der ohnehin Hungersnot und Seuchengefahr im ganzen Land herrschen. Da die alliierten Bombenangriffe während des zweiundvierzigtägigen Luftkrieges auch die Wasserversorgung Bagdads zerstört haben, trinken die Einwohner ungeklärtes Tigriswasser; in jedem Moment können Cholera- und Typhusepidemien ausbrechen... Klar zeigt sich hier die Doppelmoral westlicher Politik: War die Rückführung der diktatorisch herrschenden Sabah-Dynastie aus Kuwait zu ihren profitablen Ölquellen den USA einen verheerenden Krieg mit Tausenden von Toten und unübersehbaren ökologischen Spätschäden wert, so erklärt man jetzt, sich in "innere Angelegenheiten" nicht einmischen zu wollen, nachdem man zuvor offen zum Umsturz im Irak aufgerufen hatte...

Mai 1991

Sie haben etwa 17% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 83% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.