Ausgabe August 1991

Mit offenem Visier

Schon lange rebellieren einflußreiche Hierarchen, Programmacher und forsche Jungredakteure auch in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gegen das ihnen vom Staatsvertrag applizierte Korsett des B i l d u n g s a u f t r a g s. Staatsfern sollte nach der Erfahrung seiner propagandistischen Nutzung im Unterhaltungskostüm durch die Nationalsozialisten, ein jegliches Massenmedium sein und nicht kommerziell. Information und Belehrung heißen die beiden Elemente, die gleichberechtigt neben die Unterhaltung treten sollten, und um die dazu notwendige Unabhängigkeit (politisch und wirtschaftlich) zu sichern, wurde das System der Gebührenfinanzierung eingeführt. Faktisch sind, seit der Einführung des zweiten Programms und vollends mit dem Auftauchen der privaten Konkurrenz und der sie legitimierenden juristischen Konstruktion des d u a l e n S y s t e m s, d.h. des gesetzlich geregelten Nebeneinanders von privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern, kommerzielle Kriterien bei der Programmgestaltung längst überall ausschlaggebend. Aus der Koexistenz ist ein harter Verdrängungswettkampf geworden.

August 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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