Ausgabe Oktober 1991

Vormalige Säulen der Macht.

Rote Armee und KGB

Der Wandel des politischen Systems, der in der Sowjetunion 1983 begonnen hatte und dann 1987 mit "Glasnost", Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit und Demokratisierungsbestrebungen eine neue Qualität gewann, um 1989 schließlich in einen Prozeß der Parlamentarisierung überzugehen, stellte die traditionellen Machtinstrumente des Sowjetstaates zur Disposition. Über Jahre hinweg waren die Streitkräfte Garant des Supermacht-Status gewesen. Und in dieser Funktion waren sie um so wichtiger, als die UdSSR weder wirtschaftlich noch technologisch mit den westlichen Staaten Schritt halten konnte. Nach innen hatte der Repressionsund Ordnungsapparat KGB (Komitee für Staatssicherheit) und MD (Innenministerium) - den Druck auf potentielle Opposition aufrechterhalten und versucht, eine weitgehende Kontrolle der Gesellschaft zu realisieren.

Im Jahre 1990 verfügte die Sowjetunion nach westlichen Aussagen über Streitkräfte im Umfang von 3,988 Mio. Mann, davon etwa 2,5 Mio. Wehrpflichtige. Diese Angabe umfaßte die Truppen, die dem Verteidigungsministerium unterstanden, einschließlich Ministerialapparat, Stäben, Rückwärtigen Diensten und Zivilverteidigung. Eisenbahn- und Bautruppen (490 000 Mann) waren ebenso wie die Truppen des KGB (230 000) und die Inneren Truppen des Unions-Innenministeriums (250 000 Mann) 1989 ausgegliedert worden und daher in dieser Zahl nicht enthalten.

Oktober 1991

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ukraine: Zwischen Korruption und Diktatfrieden

von Yelizaveta Landenberger

Anfang Dezember herrschte rege Pendeldiplomatie, während die Bombardierung ukrainischer Städte und die russischen Vorstöße an der Front unvermindert weitergingen. Völlig unklar ist, ob der im November bekannt gewordene US-»Friedensplan« auch nur zu einem Waffenstillstand führen kann.