Ausgabe Juli 1993

Systemveränderer

Die Fernsehzeitschrift Bild + Funk übte sich in Ausgewogenheit: "Wie schön, daß es noch möglich ist, solche Filme zu drehen", durfte sich der eine Kritiker freuen und Die zweite Heimat "ein Meisterwerk" nennen. Auf der gleichen Seite stellte ein zweiter an die ARD die "peinliche" Frage, "ob 40 Millionen Mark, die am Ende dem Zuschauer mit dem GEZ-Revolver abgeknöpft werden, nicht etwas zuviel" seien für den "Mix aus Bunt und Schwarzweiß". Wohl nicht, denn die Kosten sind immerhin von 10 ausländischen Fernsehanstalten von Finnland bis Australien mitgetragen worden. Das Bild von den gewaltsam erpreßten Rundfunkgebühren-Millionen für Minderheiten-Programme ist also falsch.

Trotzdem geistert es seit Ende letzten Jahres durch eine von Politikern und Medienkonzern-Sprechern entfachte öffentliche Diskussion, in der die Daseinsberechtigung der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Frage gestellt wird. Auf die Tagesordnung gesetzt wurde diese Kampfansage an das gegenwärtige deutsche Rundfunksystem von einem schlag- und finanzkräftigen "Verband privater Rundfunk und Telekommunikation" (VPRT), dem alle privaten Fernsehsender, die größten Medienkonzerne sowie Nachrichtenagenturen und Betriebe der Elektround Kabelindustrie angehören.

Juli 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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