Mit der ihr eigenen Vulgarität "kommentierte" die "Bild-Zeitung" die Entscheidung der griechischen Wähler vom 10. Oktober für die Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK): Sie veröffentlichte ein Nacktfoto der von der Natur oberweitig gut ausgestatteten, noch ziemlich jungen Frau des 74jährigen griechischen Ministerpräsidenten Andreas Papandreou, als wollte sie sagen: So einen alten Lüstling wählt man nicht. Nicht ganz so ordinär, aber mit gleicher Eindeutigkeit brachte auch die Mehrzahl der seriöseren deutschen Medien ihr Mißfallen über die Wahlentscheidung zum Ausdruck. "Der Demagoge kehrt zurück an die Macht" - so und ähnlich wurde der Wahlsieg der PASOK qualifiziert. Griechenland werde sich unter Führung Papandreous noch weiter von Europa entfernen, fügte, z.B. der Athener ARD-Korrespondent besorgt hinzu will sagen: in Richtung "Dritte Welt". Die für die gebildeten Stände zuständige "Süddeutsche Zeitung" machte ihrerseits, dem klassischen Ort angemessen, eine "griechische Tragödie ohne Ende" aus. Antikisierende Klischees mischen sich da mit Vorurteilen von "balkanesischen" Zuständen beim ungeliebten EG-Partner Griechenland.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.