Ausgabe Januar 1994

Zwischen Profilsuche und Kompromißzwang

Zur außenpolitischen Diskussion in den USA

Der Befund scheint eindeutig: tiefe politische Verwirrung bei den an der "humanitären Intervention" der Vereinten Nationen (VN) in Somalia beteiligten Staaten, insbesondere in Washington. Stimmt das wirklich? Und wenn ja, wo liegen die Ursachen? Dieser Frage werde ich in drei Schritten nachgehen: Den Anfang macht die Auflistung der wesentlichen Ungereimtheiten in der Somaliapolitik der USA. Darauf folgt die Analyse einiger Umstände, die heute Außenpolitik für die USA zu einem besonders komplizierten Geschäft machen. Drittens stelle ich die sich derzeit abzeichnende außenpolitische Konzeption der US-Regierung zur Diskussion.

Zickzack in Somalia

Die UNOSOM-Aktion gilt den meisten Beobachtern heute als gescheitert. Ob das stimmt, ist schon deshalb schwierig zu bestimmen, weil es keine einheitliche Auffassung in den VN und bei den Regierungen der beteiligten Staaten darüber gab, an welchen Kriterien Gelingen oder Scheitern zu messen wären. Auch die noch von George Bush geführte Regierung der USA hat - dies ist der erste und wichtigste Grund für die eher bescheidene Bilanz der Politik gegenüber Somalia - kein klares politisches Ziel für die seit dem 9. Dezember 1992 laufende Intervention benannt.

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