Ein erstaunlich großer Teil der Debatte über Israels politische Optionen, besonders in amerikanischen Kreisen, scheint davon auszugehen, daß der neue Premier Benyamin Netanyahu in Sicherheitsdingen tun kann, was ihm gefällt. Auf die arabischen Reaktionen scheint es nicht anzukommen. Netanyahu versprach im Wahlkampf Frieden plus Sicherheit, ohne Konzessionen an die Araber. Er erklärte, daß Israel die Golanhöhen ebenso wie die bestehenden Siedlungen auf der Westbank und in Hebron behalten oder sie sogar erweitern würde; daß es gegebenenfalls in den Gazastreifen zurückkehren und die Selbstmordanschläge der Hamas in Israel ebenso wie den Beschuß israelischer Dörfer durch militante Islamisten aus dem Südlibanon beenden werde. Sein Gegner Schimon Peres versprach lediglich Frieden, in Anerkennung der Tatsache, daß dafür mit territorialen und politischen Zugeständnissen an die Palästinensische Befreiungsorgansisation und an Syrien bezahlt werden müsse. Peres und sein ermordeter Vorgänger Yitzhak Rabin hatten allerdings in bezug auf die PLO eine gefährliche Linie eingeschlagen. Sie gestanden Arafat gerade soviel zu, daß er als Verhandlungspartner zu halten war, aber nicht genug, um die Palästinenser wirklich zufriedenzustellen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.