Ein erstaunlich großer Teil der Debatte über Israels politische Optionen, besonders in amerikanischen Kreisen, scheint davon auszugehen, daß der neue Premier Benyamin Netanyahu in Sicherheitsdingen tun kann, was ihm gefällt. Auf die arabischen Reaktionen scheint es nicht anzukommen. Netanyahu versprach im Wahlkampf Frieden plus Sicherheit, ohne Konzessionen an die Araber. Er erklärte, daß Israel die Golanhöhen ebenso wie die bestehenden Siedlungen auf der Westbank und in Hebron behalten oder sie sogar erweitern würde; daß es gegebenenfalls in den Gazastreifen zurückkehren und die Selbstmordanschläge der Hamas in Israel ebenso wie den Beschuß israelischer Dörfer durch militante Islamisten aus dem Südlibanon beenden werde. Sein Gegner Schimon Peres versprach lediglich Frieden, in Anerkennung der Tatsache, daß dafür mit territorialen und politischen Zugeständnissen an die Palästinensische Befreiungsorgansisation und an Syrien bezahlt werden müsse. Peres und sein ermordeter Vorgänger Yitzhak Rabin hatten allerdings in bezug auf die PLO eine gefährliche Linie eingeschlagen. Sie gestanden Arafat gerade soviel zu, daß er als Verhandlungspartner zu halten war, aber nicht genug, um die Palästinenser wirklich zufriedenzustellen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.