Ausgabe Juni 1998

Neue Allianzen in Nah- und Mittelost

Während die USA bei ihren Vermittlungsbemühungen im Friedensprozeß zwischen Israelis und Palästinensern auf Granit zu beißen scheinen und für den Fall einer erneuten Zuspitzung des Streits um die UNSCOM-Inspektionen einen weiteren Waffengang gegen den Irak in Betracht ziehen, bildet sich - weit weniger schlagzeilenträchtig - in der Region des Vorderen Orients ein neues Kräftegefüge heraus. Eine Entwicklung, die, wenn es nach den USA geht, amerikanische Allianzen im Nahen und Mittleren Osten durch ein Geflecht von weiteren Interessenkoalitionen in dem Raum zwischen Mittelmeer, Persisch-Arabischem Golf, Schwarzem Meer und Kaspischem Meer langfristig komplementieren soll. Israel und die Türkei rücken zusammen; sie bauen ihre wirtschaftlichen Beziehungen aus und ergänzen diese durch militärpolitische Kooperation. Die USA fördern die strategische Zusammenarbeit der beiden regionalen Mittelmächte nach Kräften. Sichtbare Form nahm dieses im Entstehen begriffene Kräftedreieck an, als Anfang dieses Jahres fünf Kriegsschiffe aus Israel, der Türkei und den USA ein erstes gemeinsames Manöver in den internationalen Gewässern vor der israelischen Küste abhielten.

Juni 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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