Von Franz Ansprenger Unsere Vorfahren glaubten, am Ende des Regenbogens - da, wo er die Erde berührt - könne man ein goldenes Schüsselchen finden. Für die Südafrikaner die seit 1990 gern davon sprechen, ihre Zukunft als die einer Rainbow Nation zu gestalten, ist damit ein anderer, ein doppelter Wunsch verbunden. Die bunte Pracht des Regenbogens soll natürlich das Wunder einer plötzlich aufblühenden Harmonie zwischen den "Rassen", zwischen Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe symbolisieren. Schwarz und Weiß kommen bekanntlich im Spektrum des Regenbogens gar nicht vor. Aber so ganz "reinrassig" sind ja viele Südafrikaner auch nicht. Sei's drum, das Symbol fasziniert. Zweitens bedeutet für Juden und Christen und die Südafrikaner sind im Vergleich mit Europa ein ungemein religiöses Volk - der Regenbogen Versöhnung, den urzeitlichen Bund zwischen Gott und einer nach der Sintflut neubegründeten Menschheit. Acht Jahre nach dem kühnen Entschluß des damaligen Präsidenten De Klerk, die Apartheid über Bord zu werfen, und vier Jahre nach den ersten allgemeinen Wahlen, die das demokratische neue Südafrika begründeten, halten manche Kommentatoren das Ende des Regenbogens für erreicht. Man ist auf der Erde zurück, und die Landung ist etwas unsanft. Das goldene Schüsselchen liegt sicher irgendwo, denn die Schätze im Boden Südafrikas sind noch lange nicht erschöpft.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.