Bei der Diskussion um die Höhe der Lohnnebenkosten ist mehr Differenzierung und Wissenschaftlichkeit und weniger Populismus angebracht. Ob sie zu hoch sind und darüber hinaus eine Absenkung mehr Beschäftigung schafft, wie von allen Parteien und Arbeitgeberverbänden behauptet wird, ist so ohne weiteres nicht eindeutig. Vor allem sind hierzu die makroökonomischen Umverteilungswirkungen, die wiederum Rückwirkungen auf Wachstum und Beschäftigung haben, zu untersuchen und entsprechend zu beachten. Ohne auf eine Erklärung von Definitionen und Abgrenzungen zwischen dem direkten leistungsbezogenen Arbeitsentgelt und den Lohnnebenkosten (die übrigens in der gesamten Literatur nicht eindeutig und klar sind) näher einzugehen, muß zunächst einmal festgestellt werden, daß die empirische Darstellung der Lohnnebenkosten als Quotenausdruck in der allgemeinen Öffentlichkeit auf einer mathematisch unechten Quote basiert. Quoten von rund 80% - bezogen auf das direkte Arbeitsentgelt - suggerieren dabei einen falschen Tatbestand. Bezieht man zur Quotenbildung dagegen richtigerweise die Lohnnebenkosten auf die Basis der gesamten Personalkosten und nicht nur wie bei der unechten Quote auf das direkte Arbeitsentgelt, so ist die Quote entsprechend geringer und wesentlich undramatischer als in der Regel dargestellt.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.