Auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv fielen sich in der Nacht vom 17 auf den 18. Mai 1999 die Menschen um den Hals. Mehrere zehntausend Israelis hatte die Hoffnung, daß der nahöstliche Friedensprozeß endlich aus dem Koma erweckt würde, nach Schließung der Wahllokale dorthin geführt, wo im November 1995 die tödlichen Schüsse auf den israelischen Premier Itzhak Rabin gefallen waren. Bereits nach den ersten Hochrechnungen stand fest, daß der Vorsitzende der Arbeitspartei Ehud Barak neuer Regierungschef Israels werden würde. Seit Rabin unter den Kugeln eines rechtradikalen Israelis sein Leben gelassen hatte, war der mit seinem Namen untrennbar verbundene Prozeß mehr als einmal totgesagt worden. Die Hoffnungen der Feiernden ruhen nun auf seinem "Zögling" Ehud Barak. Die von Rabin und seinem Außenminister Shimon Peres begonnene vertragliche Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts hatte dessen Nachfolger Benjamin Netanyahu drei Jahre lang nur unter beharrlichem Zureden der USA weitergeführt und war von Krise zu Krise gestolpert. Am Ende waren sowohl seine Parteifreunde im Likud als auch die Partner in seiner komplizierten Sieben-Parteien-Koalition des Opportunismus Netanyahus überdrüssig und zwangen den Regierungschef zum Rücktritt. Seinen polarisierenden Wahlkampf haben die Wähler nicht honoriert.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.