Ausgabe März 2000

Integration und Expansion

Zur Erweiterung der Interessensphäre Europas

Die Expansion des politischen und wirtschaftlichen Einflußbereichs der Europäischen Union folgt dem Muster konzentrischer Kreise mit einer reichen Kernzone in ihrer Mitte. Die Kernzone ist an der Entwicklung der Peripherie interessiert. Denn die äußeren Regionen haben die Aufgabe, die prosperierende Kernzone der Europäischen Union von externen Störungen abschirmen. Je umfassender die integrierte reiche Kernzone, desto ausgedehnter die europäische Interessensphäre. Also liegt in der Integration der Europäischen Union ein wichtiger Grund für die Expansion der Interessensphäre Europas. Mit der folgenden Überlegung will ich zeigen, daß man - gestützt auf dieses Muster - die Wechselwirkung zwischen EU-Integration und der Expansion des wirtschaftlichen und politischen Einflußbereichs der Europäischen Union verstehen und zu Ergebnissen mit prognostischem Wert kommen kann. Wie wird das Muster territorial ungleich verteilten Wohlstands in Europa und um Europa herum mittelfristig aussehen?

Im Zentrum befindet sich ein politisch stabiler Bereich materiellen Wohlstands, der mit zunehmender Entfernung vom Zentrum abnimmt. Zwischen den einzelnen Zonen unterschiedlichen Wohlstands existieren Grenzen mit unterschiedlicher Durchlässigkeit. Der Wohlstand nimmt von innen nach außen ab, die Durchlässigkeit der Grenzen von außen nach innen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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