Ausgabe Juni 2001

Im Generationen-Container

Die 68er und ihre Nachfolger

Der Pulverdampf der jüngsten Attacke auf die 68er scheint verflogen. Aber wie bei anderen beliebten Angriffszielen gilt auch hier, dass ein Verzicht auf eine neue Gelegenheit, sich im Licht der Medien auf diesem Kampfplatz auszuzeichnen, kaum erwartet werden darf. Immerhin ist tröstlich, dass das Vokabular der Schlachtbeschreibung jetzt ganz metaphorisch sein kann, während 1968 noch Polizeiknüppel, Steine, Eier und Tomaten realiter im Spiel waren, die ihrerseits in Auseinandersetzungen gebraucht wurden, bei denen es um Krieg sans phrase ging, den Vietnamkrieg und den Krieg samt Völkermord des nationalsozialistischen Deutschland. Mir ging dieser Gedanke in einem bestimmten Moment des zurückliegenden Scharmützels durch den Kopf. In der FAZ vom 17. Januar 2001 las ich, wie Joscha Schmierer, heute Berater von Außenminister Fischer, eine Situation aus dem Jahr 1969 deutete, in der der Rektor der Heidelberger Universität, der Historiker Werner Conze, mit Eiern und Tomaten beworfen worden war. "Natürlich warfen wir die Eier auf die Institution, die Veranstaltungen verbieten wollte. A

ber sie trafen und bekleckerten das Individuum, zu dem als Doktorvater ich überdies ein gutes Verhältnis gehabt hatte. Wir mussten böse Zitate aus seinem Wirken im Dritten Reich finden, um uns vor uns selber zu rechtfertigen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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