Wenn Wünsche stärker sind als die Realität, kann das in der Politik verheerende Folgen haben. Wünsche dieser Art bestimmen seit dem 11. September 2001, noch einmal gesteigert seit dem Besuch des US-Präsidenten in Moskau am 30. Mai diesen Jahres, die Berichterstattung über Wladimir Putins Westöffnung. Spekulationen über eine neue "Duopolarität" zwischen den USA und Russland werden laut; ein Großeuropa, von dem man nicht weiß, wo es enden soll, wird ebenso beschworen wie eine Reform der NATO, in der auch Russland Mitglied werden könnte. Die Aktivitäten Russlands in Zentralasien finden dagegen kaum Beachtung, insbesondere die Bemühungen um Stärkung des strategischen Bündnisses mit China, Indien und dem Iran. Über die Konferenz für Zusammenarbeit und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA), zu der sich am 4. Juni 2002 immerhin 16 zentralasiatische Staaten in Alma Ata versammelten, wurde kaum berichtet. Auch die Unterzeichnung einer Charta der in der Shanghaier Kooperation verbündeten Staaten - Russland, China, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan - ein paar Tage später in St. Petersburg ging fast vollständig unter. Die Gründung einer Partei "Eurasia", die just zu dem Zeitpunkt stattfand, als sich US-Präsident George W.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.