Ausgabe September 2002

Ist die Anwendung von Gewalt jemals moralisch gerechtfertigt?

Amerikaner antworten deutschen Kollegen (Wortlaut)

Unter der Überschrift "Die Gerechtigkeit und der Krieg" dokumentierten die "Blätter" in ihrer Juniausgabe "Eine Art euro-atlantischen Briefwechsel". Einem Manifest ("What we're fighting for Wofür wir kämpfen"), in dem 60 amerikanische Intellektuelle unter Berufung auf "die Idee des Gerechten Krieges" die Beantwortung der Al Qaida-Anschläge vom 11. September 2001 mit einem weltweiten "Krieg gegen den Terror" rechtfertigen, hielten 103 Wissenschaftler und Autoren aus der Bundesrepublik in einer Antwort entgegen: "Eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens sieht anders aus". Nun haben die 60 Amerikaner sich am 8. August an die "Kollegen in Deutschland" gewandt, um "den Dialog fortzusetzen". Was auf den ersten Blick Hoffnungen auf eine Überwindung der tiefen amerikanisch-europäischen Entfremdung seit 9/11 wecken könnte, erweist sich bei genauerer Lektüre als eher unerquickliche Variation auf den sprichwörtlichen Dialog zwischen Taubstummen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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