Ausgabe September 2002

Ist die Anwendung von Gewalt jemals moralisch gerechtfertigt?

Amerikaner antworten deutschen Kollegen (Wortlaut)

Unter der Überschrift "Die Gerechtigkeit und der Krieg" dokumentierten die "Blätter" in ihrer Juniausgabe "Eine Art euro-atlantischen Briefwechsel". Einem Manifest ("What we're fighting for Wofür wir kämpfen"), in dem 60 amerikanische Intellektuelle unter Berufung auf "die Idee des Gerechten Krieges" die Beantwortung der Al Qaida-Anschläge vom 11. September 2001 mit einem weltweiten "Krieg gegen den Terror" rechtfertigen, hielten 103 Wissenschaftler und Autoren aus der Bundesrepublik in einer Antwort entgegen: "Eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens sieht anders aus". Nun haben die 60 Amerikaner sich am 8. August an die "Kollegen in Deutschland" gewandt, um "den Dialog fortzusetzen". Was auf den ersten Blick Hoffnungen auf eine Überwindung der tiefen amerikanisch-europäischen Entfremdung seit 9/11 wecken könnte, erweist sich bei genauerer Lektüre als eher unerquickliche Variation auf den sprichwörtlichen Dialog zwischen Taubstummen.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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