Ausgabe August 2003

Aktive Asymmetrie

Neubestimmung der Sicherheitspolitik im euro-atlantischen Kontext

Für die Bundeswehr gelten seit dem 21. Mai neue Verteidigungspolitische Richtlinien. Der Europäische Rat in Thessaloniki billigte am 20. Juni erstmals Grundzüge einer sicherheitspolitischen Strategie für die Staaten der Europäischen Union. Beide Dokumente sind nach Anspruch und Aussage Ausdruck der Tatsache, dass die sicherheitspolitische Diskussion in Europa wieder in Bewegung geraten ist. Die Bewegungsrichtung machen zwei Zitate deutlich. In dem von Javier Solana verantworteten Dokument mit dem Titel "Ein sicheres Europa in einer besseren Welt"1 heißt es: "Als Zusammenschluss von 25 Staaten mit mehr als 450 Millionen Menschen, die ein Viertel des Bruttosozialprodukt (BSP) der Erde erwirtschaften, ist die Europäische Union – ob es einem gefällt oder nicht – ein globaler Akteur. Sie sollte bereit sein, ihren Teil der Verantwortung für die globale Sicherheit zu tragen." In den Verteidigungspolitischen Richtlinien findet sich die Aussage: "Künftige [Bundeswehr-]Einsätze lassen sich wegen des umfassenden Ansatzes zeitgemäßer Sicherheits- und Verteidigungspolitik weder hinsichtlich ihrer Intensität noch geographisch eingrenzen. Der politische Zweck bestimmt Ziel, Ort, Dauer und Art des Einsatzes."

Nichts Geringeres als eine Neubestimmung der sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands und Europas steht zur Debatte.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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