Ausgabe Juli 2004

Toll Collect in Oliv

Das bisher teuerste Privatisierungsvorhaben der Bundeswehr trägt zu Recht den Namen HERKULES. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen alle zivilen Systeme der Informationstechnologie (IT) von einem privaten Anbieter modernisiert und standardisiert werden. Damit betritt die Bundeswehr NATOweit Neuland. Nicht zuletzt aufgrund der geschätzten Kosten von etwa 6,6 Mrd. Euro ist dieser Schritt nicht frei von Risiken.

Seit September 2003 ringt Verteidigungsminister Peter Struck mit dem bevorzugten Anbieterkonsortium Isic 21 (Information superiority innovation and collaboration for the 21st Century) um das 2 000seitige Vertragswerk mit etwa 400 Leistungsanforderungen. Neben CSC Ploenzke, dem deutschen Tochterunternehmen des amerikanischen ITRiesen Computer Science Corporation, gehören auch EADS und Mobilcom zum Isic 21 Konsortium. Immer wieder erklärten beide Seiten, die Vertragsunterzeichnung stünde kurz bevor.

Der Druck auf Struck, das prestigeträchtige Projekt endlich unter Dach und Fach zu bringen, stieg darüber beständig. Ursprünglich sollte sich der Bundestag noch vor der Sommerpause 2004 mit dem Vorhaben befassen. Aber auch ein baldiger Vertragsabschluss bürgt keineswegs für den Erfolg des Projekts, sondern birgt im Gegenteil seinerseits erhebliche Risiken.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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