Ausgabe April 2005

Das Kartell der Grünen Gentechnik

Seit Jahren lehnen konstant über 70 Prozent der Bevölkerung in Europa gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Der Grund hierfür liegt in einer nüchternen Abwägung: Den ungeklärten gesundheitlichen und ökologischen Risiken etwa einer gentechnisch aufgerüsteten Tomate wird der zweifelhafte Nutzen jener "Antimatschtomaten" entgegengestellt, die schon deshalb von besonderer Haltbarkeit sein müssen, weil sie oftmals wochenlang quer durch Europa gekarrt werden. Da in Nordamerika diese Kosten-Nutzen-Diskussion nie in einer breiten Öffentlichkeit geführt wurde und Gen-Lebensmittel bis heute nicht kennzeichnungspflichtig sind, gelang dort in den letzten Jahren weitgehend lautlos die Einführung dieser Risikotechnologie. Angestoßen von den Handelskonflikten mit dem gentech-kritischen Europa beginnt dort erst jetzt und viel zu spät eine kritische Debatte.

Ähnlich uninformiert und dementsprechend leicht manipulierbar ist die Bevölkerung in den so genannten Entwicklungsländern, die den derzeit am rasantesten wachsenden Absatzmarkt für die genmanipulierten Produkte der Agro-Konzerne darstellen.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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