Ausgabe April 2005

Mathilde Poirot

Der neueste Film von Jean-Pierre Jeunet Mathilde – Eine große Liebe ist auf den ersten Blick ein Liebesfilm. Und doch hat der Regisseur von Amélie (2001) einen sehr großen Teil der Produktionskosten (45 Mio. Euro) in die Inszenierung von Kriegsszenen gesteckt, vielleicht, weil es in filmischen Dramaturgien kaum ein besseres Pendant gibt zu einer Liebe, die als ewig und alles überdauernd erscheinen soll, als den Krieg. Die wegen Kinderlähmung leicht gehbehinderte Mathilde verliebt sich in den jungen Manech, der bald darauf in den (Ersten Welt-) Krieg muss. Er und vier seiner Kameraden versuchen, den Grabenkämpfen an der Somme durch Selbstverletzung zu entgehen. Sie werden zum Tod verurteilt, die Exekution überlässt man dem deutschen Feind: Zwischen die Linien geschickt, kommen sie nach und nach auf grässliche Weise um.

Mathilde mag nicht an den Tod ihres Geliebten glauben, und das Schicksal der fünf wird im Lauf ihrer hartnäckigen Recherchen aufgerollt. Jedes gefundene Detail wird in überaus "naturalistischen" Rückblenden vorgeführt. Der "Krieg" wird dabei immer präsenter, gleichzeitig verlagert sich die dramaturgische Perspektive vom Liebesdrama in Richtung Detektivgeschichte, was auch daran liegt, dass die suggerierte außergewöhnliche Tiefe dieser Liebe selbst durch die Szenen auf dem Leuchtturm (Titanic lässt grüßen) kaum glaubhaft wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.