Ausgabe März 2007

Das Zündeln der Neocons

Wer das Offenkundige „aufdeckt“, bekommt damit noch lange keinen überzeugenden Casus belli in die Hand. Und die – kürzlich in Bagdad erfolgte – Vorführung von Waffen, die im Irak gefunden wurden und aus dem Iran stammen sollen, verdient den Vergleich mit einer Szene aus „Casablanca“: Mit Claude Rains’ gespieltem Entsetzen, als man ihm sagt, in Humphrey Bogarts Lokal fänden Glücksspiele statt.

Kritiker der Bush-Regierung, manche Kenner der iranischen Waffenarsenale und einige Reporter begegnen der Vorstellung in Bagdad mit Skepsis. Mir scheint jedoch, aus iranischer Sicht wäre es ausgesprochen vernünftig, den schiitischen Milizen und Aufständischen im Irak Waffen zu liefern.

Schließlich versuchen die Vereinigten Staaten schon seit fast 30 Jahren, nämlich seit 1979, die islamistische Regierung in Teheran zu stürzen. Sie haben gegen den Iran, wegen dessen nuklearer Aktivitäten, erfolgreich Sanktionen des UN-Sicherheitsrats organisiert und sponsern Regimegegner, regimefeindliche Propaganda sowie Maßnahmen der politischen Kriegführung. Amerikanische Agenten schüren angeblich vor Ort den Widerstand unter den kurdisch und türkischsprachigen Minderheiten des Landes.

Seit Anfang 2007 stoßen Washington und Tel Aviv lautstarke Drohungen gegen den Iran aus.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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