Ausgabe Mai 2007

Russische Nachbarschaftspolitik

In den 90er Jahren vernachlässigte Russland angesichts seiner eigenen wirtschaftlichen Probleme die Beziehung zu den Ländern der „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS). Stattdessen orientierte man sich verstärkt am Westen. Dessen Ansehen ist in der russischen Politik aufgrund anhaltender Enttäuschungen über die schwierige Zusammenarbeit inzwischen jedoch an einem Tiefpunkt angelangt.

Gleichzeitig hat die Russische Föderation in den vergangenen Jahren, insbesondere aufgrund der Energiepreisentwicklung und wachsender politischer Bedeutung, ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Da imperiale Politik jahrhundertelang zu den Charakteristika russischer Politik gehörte, liegt die Vermutung nahe, dass der Kreml nun wieder einen imperialen Einfluss im GUS-Raum anstrebt. Und in der Tat gibt es hierfür, gerade mit Blick auf die Neuausrichtung auf ein russisches Energie-Imperium und die besondere Bedeutung der zentralasiatischen Republiken, zahlreiche Indizien.1 Dennoch hält die These einer neoimperialen Politik Russlands einer genaueren Überprüfung nicht stand. Was wir gegenwärtig tatsächlich erleben, ist die fortgesetzte Erosion der einstigen russischen Dominanz.

Der heutige GUS-Raum besitzt seit jeher eine zentrale Bedeutung für die russische Bevölkerung und Politik. Zum einen wirken die lange gemeinsame Geschichte und die unzähligen persönlichen Kontakte nach.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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