Ausgabe März 2008

Suharto ist tot, es lebe Suharto!

Als der frühere indonesische Diktator Hadji Mohammed Suharto am 28. Januar mit einem offiziellen Staatsakt zu Grabe getragen wurde, begleiteten hunderttausende Bürgerinnen und Bürger und nahezu die gesamte politische Klasse des Landes den Trauerzug. Präsident Susilo Bambang Judojono pries den Mann, der Indonesien von 1967 bis 1998 regiert hatte, als großen Führer, der „sein ganzes Leben der Entwicklung Indonesiens widmete.“ Selbst liberale Zeitungen wie die „Jakarta Post“ sahen sich veranlasst, ihn als zwar umstrittenen, aber dennoch großen Staatsmann zu beschreiben, der sein Land aus Unterentwicklung, Armut und Instabilität geführt habe.

Dass Suharto das Land mit eiserner Faust regiert hatte und für einen der größten Massenmorde des 20. Jahrhunderts verantwortlich war, wurde bei den Trauerfeierlichkeiten nicht erwähnt. Kein Wunder: Schließlich verdanken die heutigen Eliten des Landes seinem Regime ihren Aufstieg und Reichtum.

Der heute von den konservativen Eliten als „Modernisierer“ sowie als Bollwerk gegen den Kommunismus gefeierte und von Teilen des Volkes als bapak pembangunan (Vater der Entwicklung) verehrte General Suharto hatte seit dem von ihm 1965 angeführten Militärputsch und seinem zwei Jahre später erfolgenden Machtantritt als Staatspräsident eine „neue Ordnung“ errichtet.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.