Ausgabe August 2008

Harmonie auf Chinesisch

Von der Klassen- zur Volkspartei eigenen Typs

Kaum ist die Fußball-Europameisterschaft vorbei, steht bereits das nächste große Sportereignis vor der Tür: Vom 8. bis zum 24. August finden in der chinesischen Hauptstadt Peking die 29. Olympischen Sommerspiele statt. Dann wird das Reich der Mitte wie nie zuvor im Licht der Weltöffentlichkeit stehen.

Bereits der Umgang mit den jüngsten Aufständen in Tibet hat den Eindruck bestätigt, dass sich das Land weiterhin auf einem autoritären Weg befindet. Auch wenn die Wahrnehmung Chinas als eines starren, reformunfähigen kommunistischen Regimes nicht den Tatsachen entspricht, handelt es sich bei der Volksrepublik nach wie vor um ein nicht-demokratisches System, in dem es keine wirkliche Gesetzesherrschaft, keine freien Wahlen und keine Oppositionsparteien gibt. Jedoch entwickelt sich die Volksrepublik seit Beginn der Wirtschaftsreformen im Jahr 1978 zu einer zunehmend offenen Gesellschaft – mit wachsender Partizipation und zunehmender Autonomie ihrer Bürger und einer größer werdenden rechtlichen Sicherheit.

Ausschlaggebend für diesen Transformationsprozess war die 1978 einsetzende Ökonomisierung der chinesischen Politik unter Deng Xiaoping. Nach den Verheerungen der maoistischen „Kulturrevolution“ galt es in erster Linie, die Wirtschaft des Landes wieder aufzubauen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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