Ausgabe Juli 2010

Kleptokratie in Kirgistan

Mitte Juni brachen im Süden Kirgistans gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der kirgisischen Mehrheit und der usbekischen Minderheit aus. Infolge der bewaffneten Konflikte starben in Osch und Dschalalabad hunderte Menschen; Zehntausende sind auf der Flucht. Die Unruhen zeigen, dass sich die Lage, insbesondere im Süden des Landes, auch über zwei Monate nach dem Sturz von Präsident Kurmanbek Bakijew nicht stabilisiert hat. Während die Interimsregierung Mühe hat, ihre Autorität durchzusetzen, versucht Bakijew aus dem weißrussischen Exil, die Situation zu destabilisieren. Dennoch erscheint eine Rückkehr Bakijews ausgeschlossen. Wie bereits sein 2005 durch die „Tulpenrevolution“ gestürzter Vorgänger, Askar Akajew, wird er für die wachsende Armut, Vetternwirtschaft und Machtkonzentration verantwortlich gemacht.

Den Kirgisen, deren Land noch bis Ende der 90er Jahre als halbwegs demokratische Insel im ansonsten stramm autoritär regierten Zentralasien galt, mag das Drehbuch des Machtwechsels wie ein Déjà-vu vorkommen. Auch im April schlugen Proteste vor allem Jugendlicher in offene Gewalt gegen ein schamlos korruptes Regime um, mehr als 80 Menschen starben. Kirgistan hat damit zum zweiten Mal innerhalb beeindruckend kurzer Zeit einen Machtwechsel gewaltsam erzwungen – ein im postsowjetischen Raum einzigartiger Vorgang.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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