Ausgabe Juli 2010

Für einen deutschen Pazifismus

Als US-Präsident George W. Bush 2002 für seinen Irakkrieg eine „Koalition der Willigen“ konstruierte, wurde er auf einer Pressekonferenz gefragt, ob die Deutschen mit dabei wären. Mit einer knappen Handbewegung erledigte er seine Antwort: „The Germans are pacifists“ – auf Deutsch: Auf die ist kein militärischer Verlass.

Welch ein Triumph der Friedensbewegung! Natürlich wissen wir alle, dass das so nicht stimmt und zu schön ist, um wahr zu sein – aber dass das alte stereotype Bild von Deutschland und den Deutschen als autoritätsgläubig und militaristisch von der gegenteiligen internationalen Wahrnehmung ersetzt wird – die Deutschen als friedfertig und ohne soldatischen Stolz –, das ist schon aufregend und Anlass zur Zufriedenheit über Jahre geleisteter historisch-politischer Bildungsarbeit. Und tatsächlich hatte Bush so ganz Unrecht ja nicht, denn Bundeskanzler Gerhard Schröder als opportunistischer Taktiker der Macht erklärte gleich darauf großspurig, die deutsche Regierung werde keine Abenteuerpolitik mitmachen (obwohl sie dann diesen Krieg nicht nur logistisch direkt, sondern indirekt auch materiell klammheimlich unterstützte).

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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