Ausgabe Oktober 2010

NATO auf Jobsuche

Am 19. und 20. November werden sich die Staats- und Regierungschefs der 28 NATO-Staaten in Lissabon versammeln, um ein neues strategisches Konzept zu verabschieden. Heute umfasst ihr Militärbudget 70 Prozent der globalen Militärausgaben. Die NATO repräsentiert damit, zumindest statistisch, eine fast unglaubliche militärische Dominanz. Sie hat die Epoche des Kalten Krieges im 20. Jahrhundert faktisch als Siegerin überstanden – und existiert weiter als überlebender Dinosaurier der einstigen Blockkonfrontation.

Die letzten beiden Jahrzehnte waren demzufolge mehr durch die Suche nach legitimen Aufgaben für das Bündnis geprägt, als durch ein breit verankertes Selbstverständnis mit klaren Aufgaben und Zielen. Kurzzeitig schien die bipolare Ordnung des Kalten Krieges ersetzt zu sein durch eine unipolare Vorherrschaft der einzigen verbliebenen Supermacht USA, ohne dass die politischen und strategischen Konsequenzen für die NATO geklärt waren.

Das 1999 beschlossene, nach wie vor gültige strategische Konzept der NATO reflektiert diese Ambivalenz und politische Suche recht deutlich.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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