Ausgabe Februar 2011

Kooperieren oder scheitern

Die Existenzkrise der Europäischen Union

Wenn eine Weltordnung zusammenbricht, beginnt das Nachdenken darüber. Doch offenbar gilt das nicht für den heute vorherrschenden Typus der Gesellschaftstheorie, der in universalistischer Erhabenheit und schlafwandlerischer Sicherheit über den Niederungen des epochalen Wandels – Klimawandel, Finanzkrise, Krise der Demokratie und der nationalstaatlichen Institutionen – hinwegschwebt. Diese Art universalistischer Gesellschaftstheorie, sei es nun eine strukturalistische, interaktionistische, marxistische, Kritische oder Systemtheorie, ist heute antiquiert und provinziell. Antiquiert ist sie, weil sie ausschließt, was zu beobachten ist: ein Paradigmenwechsel von Gesellschaft und Politik in der Moderne. Provinziell ist sie, weil sie den pfadabhängigen Erfahrungs- und Erwartungsraum der westeuropäischen oder auch der US-amerikanischen Modernisierung fälschlich verabsolutiert und damit gerade den soziologischen Blick auf deren Besonderheit verstellt.

Man würde zu kurz greifen, wenn man meinte, dass wir, die europäische Soziologie, die Modernisierungspfade der Anderen nur ergänzend verstehen müssen, weil sonst unser Weltbild unvollständig ist. Vielmehr gilt: Wir Europäer können uns nur dann selbst verstehen, wenn wir uns „deprovinzialisieren“, das heißt, soziologisch-methodologisch mit den Augen der Anderen sehen lernen.

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