Ausgabe April 2011

Das Ende der Erstarrung

Spätestens seit die Demonstranten in Tunesien den langjährigen Diktator Ben Ali zum Rücktritt zwangen, haben sämtliche Herrscher des Nahen und Mittleren Ostens Grund zur Beunruhigung. Die internationale Öffentlichkeit hat ihre Aufmerksamkeit inzwischen von Tunesien nach Ägypten und Libyen verschoben. Zugleich schwanken die professionellen Beobachter zwischen der These eines Dominoeffekts, wonach ein Umsturz den nächsten nach sich zieht, und der Annahme, dass die Länder der Region so unterschiedlich sind, dass ein solcher Effekt kaum vorstellbar ist. Beides ist für sich genommen plausibel: Einerseits dürfte die schnelle Abfolge der Massenproteste kaum zufällig sein; andererseits aber sind die betroffenen Länder in der Tat so verschieden, dass eine einzige, gemeinsame Ursache der Umwälzungen kaum unterstellt werden darf.

Der vermeintliche Widerspruch der beiden Annahmen löst sich allerdings auf, wenn man die Dialektik regionaler und lokaler Entwicklungen genauer ins Auge fasst. Die gegenwärtige Entwicklung begann nämlich keineswegs erst in Tunesien, und sie ist auch nicht auf arabische Länder beschränkt. Bereits 2005 begehrte ein großer Teil der libanesischen Bevölkerung gegen ihre prosyrische Regierung und die syrischen Besatzungstruppen auf – die Regierung stürzte, die syrischen Truppen zogen noch im gleichen Jahr ab.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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