Ausgabe Juli 2011

Nordafrikanische Erfolgsgeschichten?

Jahrelang wurden Tunesien und Ägypten vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank als „Erfolgsstorys“ bezeichnet. Tunesien galt als „Musterknabe“ der Strukturanpassung, während Ägypten für sein gutes Investitionsklima gefeiert wurde. Im vergangenen Jahrzehnt erzielten die beiden Staaten laut Angaben der internationalen Finanzorganisationen jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich vier bis sechs Prozent. Selbst die internationale Finanzkrise habe lediglich eine vorübergehende „Wachstumsdelle“ hinterlassen. Neben einem stetig steigenden Pro-Kopf-Einkommen verzeichneten viele arabische Staaten wie Tunesien, Algerien oder der Oman auch große Fortschritte bei den Indikatoren der menschlichen Entwicklung – sie zählen zu den zehn Ländern, die sich seit 1980 am stärksten verbessern konnten.[1]

Umso mehr musste überraschen, dass hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven gerade junger und darüber hinaus gut ausgebildeter Menschen maßgeblich zu den arabischen Revolutionen beitrugen. Tatsächlich aber haben regionale wie internationale Experten seit Jahren genau vor dieser Situation gewarnt – einem starken „Jugendüberhang“, den die Arbeitsmärkte der Region nicht absorbieren können.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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