Ausgabe Juli 2011

Spanische Empörung

Mit einer schweren Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 22. Mai hatten die spanischen Sozialisten zwar gerechnet. Doch das Ergebnis von 27,8 Prozent der abgegebenen Stimmen übertraf noch die schlimmsten Befürchtungen. Bei keiner Wahl seit der Wiedererrichtung der spanischen Demokratie vor 34 Jahren hat die traditionsreiche Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) derartig schlecht abgeschnitten. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero steht vor den Trümmern seines politischen Projekts. Fast vergessen scheint darüber, dass er in den ersten Jahren nach seiner Regierungsübernahme 2004 eine progressive politische und gesellschaftliche Modernisierung des Landes vorantrieb. Nach den langen Jahren des „Dritten Wegs“ hatte der junge sozialistische Regierungschef damals über Spanien hinaus eine Renaissance linker sozialdemokratischer Politik verkörpert. Der politische „Tsunami“,[1] der den PSOE am 22. Mai überrollte, dürfte die Erinnerung daran weiter verblassen lassen.

Gegenüber den letzten Kommunal- und Regionalwahlen 2007 büßten die Sozialisten knapp neun Prozent der Stimmen ein. Die rechtskonservative Volkspartei (Partido Popular, PP) kam auf 37,5 Prozent und überflügelte den PSOE damit um fast zehn Prozentpunkte. Die Sozialisten verloren ihre Hochburgen Sevilla, Barcelona und eine Reihe weiterer wichtiger Städte.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Soziale Bewegungen

Die Verteidigung der Vernunft

von Robert Misik

Die Zerstörung der Vernunft als das auf dem Austausch von Argumenten basierende demokratische Grundverständnis steht im Mittelpunkt des globalen Rechtspopulismus, der sich immer mehr zu einem Rechtsradikalismus verfestigt. Dem ist jedoch nicht durch eine linkspopulistische Gegenbewegung beizukommen.

Blackout: Die imperiale Lebensweise lässt sich nicht »abschalten«

von Ulrich Brand, Markus Wissen

Fünf lange Tage waren zehntausende Haushalte und mehr als 2000 Unternehmen bei eisigen Temperaturen im Berliner Südwesten Anfang Januar ohne Strom und ohne Heizung. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine wichtige, oberirdisch verlaufende Kabelbrücke des Berliner Stromnetzes.

Vom Einsturz zum Aufbruch: Die Protestbewegung in Serbien

von Krsto Lazarević

Für die seit Monaten Protestierenden steht der Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad nicht für ein bauliches, sondern für ein politisches und gesellschaftliches Versagen: ein sichtbares Symbol für Korruption und ein zunehmend autokratisches System.